StartAktuellKonzertstadt mit Hindernissen – Grüne fordern bessere Planung für Großveranstaltungen

Konzertstadt mit Hindernissen – Grüne fordern bessere Planung für Großveranstaltungen

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Nach der Absage des „Alter Ego“-Festivals und der Insolvenz des Veranstalters sieht der Welser Grünen-Stadtrat Thomas Rammerstorfer die Bemühungen, Wels als Konzertstadt zu etablieren, kritisch. Er fordert eine sorgfältigere Prüfung künftiger Veranstalter und bessere Rahmenbedingungen für Großevents. Nach der Landesgartenschau 2027 könnte die Stadt aus seiner Sicht einen Neustart wagen.

Vor einigen Jahren formulierte der Welser Bürgermeister Andreas Rabl das Ziel, Wels als Konzertstadt zu etablieren. Die jüngsten Entwicklungen rund um das abgesagte „Alter Ego“-Festival werfen jedoch Fragen zur bisherigen Strategie auf.

Für Grünen-Stadtrat Thomas Rammerstorfer zeigt sich, dass es nicht nur geeignete Veranstaltungsflächen, sondern auch eine sorgfältige Auswahl der Veranstalter und eine passende Infrastruktur braucht. | (c) Die Welser Grünen; Dragan

Für Grünen-Stadtrat Thomas Rammerstorfer zeigt sich, dass es nicht nur geeignete Veranstaltungsflächen, sondern auch eine sorgfältige Auswahl der Veranstalter und eine passende Infrastruktur braucht.

Von der WEVA bis zum „Alter Ego“-Festival

Nachdem die Bemühungen um eine eigene Veranstaltungsgesellschaft nach dem Vorbild der Linzer LIVA gescheitert waren, wurde 2021 die WEVA als privates Unternehmen gegründet. Hinter der Gesellschaft stand nach Darstellung Rammerstorfers der Wiener Großveranstalter Show Connection.

Der Auftakt mit dem Festival „We love the 90ies“ sei von organisatorischen Schwierigkeiten begleitet gewesen. Das Konzert der Böhsen Onkelz habe hingegen als erster Erfolg gewertet werden können. Ein für 2024 geplantes weiteres Konzert der Band musste wegen starken Regens abgesagt werden. Seither seien von der WEVA und Show Connection keine weiteren Aktivitäten in Wels ausgegangen, schreibt Rammerstorfer in seiner Presseaussendung.

„Alter Ego“ endet mit Absage und Insolvenz

2026 sollte das „Alter Ego“-Festival neue Impulse für die Welser Konzertlandschaft setzen. Die Stadt beziehungsweise das Stadtmarketing begrüßten das Vorhaben im Vorfeld als neues musikalisches Aushängeschild und verwiesen auf das Ziel, hochkarätige Großveranstaltungen nach Wels zu holen und den Standort als zeitgemäße Eventdestination zu positionieren.

Doch wenige Tage vor dem geplanten Termin wurde das Festival abgesagt. Anschließend wurde die Insolvenz des Veranstalters bekannt. Laut den von Rammerstorfer angeführten Zahlen sind 2.414 Gläubiger betroffen, die Passiva belaufen sich auf rund 755.000 Euro.

Neben den finanziellen Forderungen der Gläubiger sind auch Ticketkäufer betroffen. Für manche dürften bereits gebuchte Hotels und organisierte Anreisen zusätzliche Kosten verursacht haben.

„Das ist eine verheerende Bilanz“, erklärt Rammerstorfer. Die Entwicklung wirke sich aus seiner Sicht auch negativ auf den Ruf von Wels als Konzertstadt aus. Beim Veranstalter habe es an Erfahrung gefehlt, um ein Event dieser Größenordnung erfolgreich umzusetzen. Künftig sollten Stadt und Stadtmarketing deshalb genauer prüfen, ob Veranstalter über die erforderlichen Fähigkeiten und Ressourcen verfügen.

Fehlende Übernachtungsmöglichkeiten als Standortnachteil

Rammerstorfer sieht weitere Herausforderungen für Wels als Veranstaltungsstandort. Bei Großereignissen mit 10.000 oder mehr Besuchern sei die Stadt nur eingeschränkt attraktiv. Als einen Grund nennt er das begrenzte Angebot an günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Jugendherberge oder ein Campingplatz könnten aus seiner Sicht zusätzliche Besucher ansprechen.

Auch den bestehenden „Nächtigungsbonus“ für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren hält der Grünen-Stadtrat für wenig wirksam. Dieser sieht nach seinen Angaben einen Rabatt von zehn Euro pro Nacht bei mindestens zwei Übernachtungen vor.

Trabrennbahn als mögliche Perspektive

Potenzial für größere Veranstaltungen sieht Rammerstorfer im Bereich der Welser Trabrennbahn. Ein möglicher Vorteil sei die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, zumindest unter den entsprechenden Rahmenbedingungen.

Nach der Landesgartenschau Wels 2027 könnte die Stadt seiner Ansicht nach einen neuen Anlauf nehmen, um sich als Konzertstandort zu positionieren. „Nach der Landesgartenschau, also 2028, könnte Wels als Konzertstadt neu starten“, so Rammerstorfer. Dafür müssten die Vorbereitungen allerdings bereits jetzt beginnen.

Seine Forderung: Wels sollte künftige Großveranstaltungen nicht allein als Chance für das Stadtmarketing betrachten, sondern auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit, die Erfahrung der Veranstalter und die vorhandene Infrastruktur stärker in den Blick nehmen.


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