Seit mehr als 80 Jahren ist die Stadt Wels Eigentümerin des rund zehn Hektar großen Naherholungsgebietes am Reinberg in der Nachbargemeinde Thalheim. Im Vorfeld der Landesgartenschau „Stadt der Gärten“ 2027 wird die Welser „Grün-Exklave“ nun umfassend adaptiert. Die Bauarbeiten starten in Kürze. Das Areal bleibt während der Arbeiten grundsätzlich zugänglich, kleinere zeitweilige Sperren sind jedoch möglich.
Der Reinberg wird zum „sagenhaften Waldgarten“
Unter dem Motto „Der sagenhafte Waldgarten“ wird der Reinberg im kommenden Jahr zu einer von sechs Gartenwelten der Landesgartenschau. Das beliebte Ausflugsziel soll dabei vor allem Familien, Kindern, Jugendlichen und Senioren neue Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und Erholen bieten.
Geplant sind unter anderem ein Märchen- und Sagenpfad, ein naturnahes Waldlabyrinth sowie ein Lehrpfad rund um Jagd und Forstwirtschaft. Die charakteristischen Sehenswürdigkeiten des Reinbergs werden behutsam in das neue Konzept integriert:
- die Kapelle der vierzehn Nothelfer,
- die historische Marienwarte mit ihrem Rundblick,
- der Pavillon mit Blick auf Traunfluss und Stadt Wels sowie
- die etwas versteckt gelegene Bruckhofkapelle.
Die Landesgartenschau beschreibt den Reinberg als „großes Natur- und Walderlebnis der Stadt“. Pfade, Spielbereiche und Erlebnisstationen sollen Abenteuer, Naturerfahrung und Erholung miteinander verbinden.
„Gold des Lebens“ als roter Faden
Zentrales Motiv der Neugestaltung ist die Sage „Der Reinberg und das Gold des Lebens“. Ihre Botschaft: Wahrer Reichtum liegt nicht im Besitz von Gold, sondern in der Verbundenheit mit der Natur, im Respekt vor dem Verborgenen und im Leben, das aus der Erde erwächst.
Diese Idee zieht sich durch den gesamten Rundweg. An zahlreichen Stationen werden drei Erzählstränge miteinander verbunden: historisch belegte Eingriffe des Menschen am Reinberg, spielerisch aufbereitete lokale Geschichten sowie bekannte Märchen der Brüder Grimm – darunter „Froschkönig“, „Sterntaler“, „Rapunzel“, „Rumpelstilzchen“, „Frau Holle“, „Hans im Glück“, „Aschenputtel“ sowie „Hänsel und Gretel“.


Auch gestalterisch bleibt das Konzept bewusst naturnah und zurückhaltend. Künstlerisch verkohlte Nadelhölzer, Figuren und Spielgeräte aus Holz sowie sparsame Akzente in Gold und Kupfer greifen die Sage auf. Gleichzeitig sollen unterschiedliche Sinneserfahrungen und ruhige Rückzugsbereiche dazu einladen, den Wald mit allen Sinnen zu erleben.
Ein Rundweg zum Spielen und Entdecken
Der Rundweg beginnt bei der Kneippstation hinter der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle und führt in einer weiten Schleife über Aussichtspunkte, Spielbereiche, Naturstationen und historische Orte. Eine Variante durch das Waldlabyrinth mit barrierefreiem Einstieg sorgt für zusätzliche Abwechslung.

Zur Orientierung werden die Stationen mit unterschiedlichen Symbolen gekennzeichnet: Das Tempel-Zeichen steht für historisch belegte Fakten, der Stern für klassische Märchen und das Buch-Zeichen für lokale Sagen und Legenden.
Schon beim Kneippbecken wartet der erste Märchenbezug: Der „Froschkönig“ wird dort als Brunnenfigur mit goldenen Balancierkugeln inszeniert.
Marienwarte: Rapunzel hoch über dem Reinberg
Bei der historischen Marienwarte liegt eine Verbindung mit „Rapunzel“ nahe. Das sprichwörtliche Haar der Märchenfigur wird deshalb als Installation vom Turm herabgelassen.
Auch der Vorplatz erhält eine neue Gestaltung mit blühenden Beeten und zusätzlichen Sitzmöglichkeiten. Im Inneren informieren Tafeln und Installationen über die Geschichte der Warte und den Besuch von Kaiserin Elisabeth („Sisi“) von Österreich. Von der Aussichtsplattform bleibt der bekannte Rundblick über die Region erhalten.
Waldlabyrinth: Auf der Suche nach dem „Goldenen Stein“
Das Waldlabyrinth wird bewusst naturnah angelegt und soll insbesondere junge Besucher zum Entdecken einladen. Im Mittelpunkt steht die Suche nach dem sinnbildlichen „Goldenen Stein“.
Die „Zwerge vom Reinberg“ bekommen unter anderem ein Geschichtenhaus, einen Baumturm, eine Berg-Stollen-Landschaft und eine Zwergenschaukel. Für die Besucher stehen zudem Sitzgelegenheiten und mobile Kompost-WCs zur Verfügung.
Neue Waldkanzel mit Blick auf Wels
Westlich des bestehenden Pavillons entsteht nahe dem Waldlabyrinth ein weiterer Aussichtspunkt. Eine hölzerne Plattform ragt über den Abhang hinaus und eröffnet Ausblicke auf den „grünen Schatz“ des Reinbergs – die Bäume und den Wald – sowie auf weitere Schauplätze der Landesgartenschau.
Mit einem Fernrohr können Besucher unter anderem zum „kunstvollen Volksgarten“ und zum „fließenden Traungarten“ hinüberblicken. Auch „Frau Holle“ erhält an diesem Ort eine eigene Märcheninstallation.
Reinberg und Landesgartenschau eng verbunden
Der Reinberg soll nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil des gesamten Welser Landesgartenschau-Erlebnisses funktionieren. Eine fußläufige Verbindung zu den weiteren Schauplätzen auf Welser Seite, darunter Volksgarten und Traungarten, führt über die Alte Traunbrücke beziehungsweise über einen Stichweg zur Eisenbahnbrücke der ÖBB-Almtalbahn.
Damit wird der Reinberg auch über die Landesgartenschau hinaus als Naherholungsgebiet aufgewertet. Die neuen Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsbereiche sollen dauerhaft bestehen bleiben.
Reinberg: Die wichtigsten Daten
- 1881: Der 1873 gegründete Welser Verschönerungsverein beginnt mit der Aufforstung des Reinbergs.
- 1892: Auf Initiative des Verschönerungsvereins wird die Marienwarte errichtet. Sie ist 22,8 Meter hoch; die Aussichtsplattform liegt auf 391,1 Metern Seehöhe.
- 1902: Ein Wegenetz überzieht den Reinberg.
- 1942: Die Stadt Wels kauft das Areal samt Marienwarte vom Verschönerungsverein und der Sparkasse. Der Verschönerungsverein engagiert sich weiterhin für die Anlage.
- 1954: Erstmals werden Beleuchtungskörper für den Weg zur Marienwarte errichtet.
- 2015: Das Kneippbecken hinter der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle wird reaktiviert. Sitzmöbel, Pflanzen, Pflasterungen und eine neue Wegbeleuchtung ergänzen die Anlage.
- 2017: Der Innenbereich der Marienwarte wird renoviert.
- 2019: Ein neuer Fitnessparcours mit sechs Stationen wird eröffnet.
- 2021: Die Fassade der Marienwarte wird renoviert.
- 2026: Die 1679 errichtete Kapelle der vierzehn Nothelfer am Fuße des Reinbergs wird renoviert.
Stimmen zum Projekt

Vizebürgermeister Gerhard Kroiß: „Der Reinberg ist mit seinen steilen Hängen und dem alten Baumbestand eine besondere Herausforderung für die Stadtgärtnerei. Umso wichtiger ist es, dieses wertvolle Naherholungsgebiet zu erhalten und weiter aufzuwerten.“
Bürgermeister Dr. Andreas Rabl: „Der Reinberg ist für mich seit Kindheitstagen ein beliebtes Ausflugsziel. Der ‚sagenhafte Waldgarten‘ wird ihn nachhaltig aufwerten und Wels als Ausflugsziel für Familien noch attraktiver machen.“
Dipl.-Ing. Gottfried Struggl, Geschäftsführer der OÖ Landesgartenschau Wels 2027: „Der Reinberg ist ein grüner Schatz vor den Toren der Stadt. Der ‚sagenhafte Waldgarten‘ macht seine Natur und Geschichte neu erlebbar – und soll auch über 2027 hinaus bestehen bleiben.“
Alle Bilder (c) Stadt Wels


