In der Welser Wohnungslandschaft stehen große Veränderungen bevor. Nach einem Beschluss des Gemeinderates wird die Asylunterkunft am Kamerlweg schrittweise geschlossen. An ihrer Stelle schafft ein lokales Immobilienunternehmen durch eine umfassende Sanierung modernen und bezahlbaren Wohnraum. Das Projekt ergänzt das bestehende Angebot der Stadt Wels, die wohnungssuchende Bürger aktiv bei der Vermittlung von gefördertem Wohnraum unterstützt.
Politischer Startschuss für das Ende der Unterkunft
Den Ausgangspunkt für diese Entwicklung bildete die Welser Gemeinderatssitzung vom Montag, 1. Juni. Mit einer Stimmenmehrheit wurde Integrationsreferent Vizebürgermeister Gerhard Kroiß beauftragt, offizielle Gespräche mit den Betreibern und Grundstückseigentümern der Asylunterkünfte am Kamerlweg sowie in der Bahnhofstraße aufzunehmen. Das erklärte Ziel der Stadtpolitik ist es, eine mittelfristige Schließung beider Standorte zu erwirken.
Am Kamerlweg beschleunigte ein kürzlicher Eigentümerwechsel diesen Prozess maßgeblich. Das Welser Immobilienunternehmen Bullenhaus Holding GmbH hat das Areal übernommen und signalisierte in ersten Gesprächen mit Vizebürgermeister Kroiß sofortige Kooperationsbereitschaft.
Geordneter Auszug und Neuverteilung
Mit Stand vom Dienstag, 19. Mai waren in der Unterkunft am Kamerlweg noch 122 Asylwerber und vertriebene Personen im Rahmen der Grundversorgung untergebracht. Für diese Menschen wird der Auszug nun konkret geplant. Das zuständige Land Oberösterreich übernimmt die Organisation und wird die Bewohner schrittweise auf andere bestehende Unterkünfte in der Region aufteilen. Sobald die Gebäude vollständig geräumt sind, übergibt das Land das Areal an den neuen Eigentümer, damit die Bauarbeiten wie geplant starten können.
Großprojekt zur Revitalisierung von 52 Wohnungen
Die betroffene Wohnanlage am Kamerlweg 19 bis 23b umfasst insgesamt sieben Gebäude mit 52 Wohneinheiten und einer Gesamtwohnfläche von knapp 3.500 Quadratmetern. Die Bullenhaus Holding GmbH plant eine umfassende Modernisierung des gesamten Areals, um die Wohnqualität nachhaltig zu erhöhen und das optische Erscheinungsbild des Viertels deutlich aufzuwerten. Nach der vollständigen Renovierung sollen die Wohnungen dem Welser Immobilienmarkt als dringend benötigter, günstiger Mietwohnraum wieder zur Verfügung stehen.
Das Revitalisierungskonzept sieht tiefgreifende Verbesserungen im Innen- und Außenbereich der Anlage vor. Zu den Kernmaßnahmen der Modernisierung gehören:
- Fassaden und Dächer: Gründliche Reinigung sämtlicher Dachflächen sowie Reinigung und Erneuerung der Außenfassaden.
- Infrastruktur im Gebäude: Komplette Renovierung und Neugestaltung der Stiegenhäuser inklusive neuer Bodenbeläge, moderner Beleuchtungssysteme und dem teilweisen Austausch von Wohnungseingangstüren.
- Außenanlagen und Freizeit: Aufwertung der bestehenden Spielplätze sowie die Schaffung neuer, attraktiver Sitz- und Aufenthaltsbereiche im Freien.
- Sicherheit und Ordnung: Errichtung einer neuen Schrankenanlage, frische Bodenmarkierungen für den Parkplatz sowie die Einrichtung geschlossener und getrennter Müllräume.
Unterstützung der Stadt Wels für Wohnungssuchende
Der neue Wohnraum am Kamerlweg ist eine wichtige Ergänzung für den Welser Wohnungsmarkt, auf dem die Stadt Wels bereits eine zentrale Vermittlungsrolle einnimmt. Die Stadt verfügt bei mehr als 5.000 gemeinnützigen Wohnungen – vorwiegend von der Welser Heimstätte, der LAWOG und der Familie – über das Vergaberecht. Dass der Bedarf an leistbarem Wohnraum hoch ist, zeigen die Zahlen des städtischen Wohnungsservices: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 604 Wohnungsanträge erfasst. Die Zahl der aktiv Wohnungssuchenden lag damit zwar leicht unter dem Wert des Vorjahres, dennoch konnte die Stadt in insgesamt 330 Fällen erfolgreich eine passende Wohnung zuweisen.
Anmeldung und Voraussetzungen für Wohnungssuchende
Interessierte Bürger können sich beim Wohnungsservice der Stadt Wels als wohnungssuchend melden. Die Dienststelle übernimmt die Vormerkung und Evidenthaltung, erstellt Vorschläge für die Entscheidungsträger und weist die vergebenen Wohnungen schließlich zu. Die Vormerkung erfolgt mittels Formular, das entweder online unter wels.at/formulare (Kategorie „Bauen und Wohnen“) oder in Papierform im Rathaus (Eingang Stadtplatz 2, Erdgeschoß, Zimmer 9) abgegeben werden kann. Für Rückfragen stehen die Mitarbeiterinnen telefonisch unter +43 7242 235 4490 oder per E-Mail unter wos@wels.gv.at zur Verfügung.
Für eine erfolgreiche Vormerkung müssen Antragsteller bestimmte Kriterien erfüllen. Für österreichische Staatsbürger, EU-Bürger, Personen mit dem Aufenthaltstitel „Daueraufenthalt EG“ sowie anerkannte Flüchtlinge gelten folgende Voraussetzungen:
- Mindestalter: Vollendetes 18. Lebensjahr (ausgenommen schwangere Frauen oder Frauen, die ein eigenes Kind versorgen).
- Ortsbezug: Der Hauptwohnsitz oder Arbeitsplatz muss seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen in Wels liegen.
- Sprachkenntnisse: Grundkenntnisse der deutschen Sprache müssen vorhanden sein.
Für Nicht-EU-Bürger gelten leicht modifizierte Kriterien für die Anmeldung:
- Ortsbezug: Der Hauptwohnsitz oder Arbeitsplatz muss seit mindestens zehn Jahren ununterbrochen in Wels nachweisbar sein.
- Aufenthalt: Ein rechtmäßiger Aufenthalt in Österreich ist zwingend erforderlich.
- Sprachkenntnisse: Auch hier sind Grundkenntnisse der deutschen Sprache nachzuweisen.

Integrationsreferent Vizebürgermeister Gerhard Kroiß: „Der Integrations- und Sprachförderbedarf in der Stadt Wels ist aufgrund der Zuwanderung groß. Ich begrüße daher die Schließung der Asylunterkunft am Kamerlweg und bedanke mich beim neuen Eigentümer für die konstruktiven Gespräche.“
Wohnungsreferent Stadtrat Ralph Schäfer, MSc: „Gerade in der Pernau fehlen leistbare und attraktive Wohnungen für Familien. Die unmittelbare Nähe zu zahlreichen erfolgreichen Unternehmen macht diesen Stadtteil besonders gefragt – das bestätigen auch die vielen Anfragen beim städtischen Wohnungsservice. Umso wichtiger ist es, dass das bestehende Quartier modernisiert und wieder für Wohnungssuchende nutzbar gemacht wird. Mein Dank gilt dem privaten Bauträger für die konstruktive Zusammenarbeit und die Bereitschaft, hier gemeinsam eine gute Lösung für Wels zu schaffen.“
Geschäftsführer David Zulj, BA (Bullenhaus Holding GmbH): „Leistbarer Wohnraum entsteht nicht nur auf der grünen Wiese. Oft liegt die Lösung bereits vor uns. Wir investieren am Kamerlweg in 52 bestehende Wohnungen und machen daraus wieder ein attraktives Zuhause für viele Welser Familien.“

