Vier Jahre nach dem 800-jährigen Jubiläum der Stadterhebung steht in Wels der nächste historische Meilenstein an. Vor genau 1250 Jahren wurde der Name der heutigen Messestadt erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahr 776 tauchte die Bezeichnung „castrum Uueles“ in einer Schenkungsurkunde von Graf Machelm auf. Das historische Original dieses Kodex wird im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrt, während eine originalgetreue Kopie (Faksimile) im Welser Stadtarchiv im Kulturzentrum Herminenhof zu sehen ist.
Der historische Hintergrund
Die Namensnennung fällt in eine Epoche des Umbruchs im heutigen Oberösterreich. Mit den Gründungen der Klöster Mondsee (748) und Kremsmünster (777) setzte südlich der Traun eine starke Siedlungswelle ein. Durch die Expansion von Herzog Tassilo III. nach Karantanien verschob sich die Ostgrenze des Reiches, wodurch die Region um Wels ihre riskante Lage als Grenzgebiet verlor.

Gleichzeitig verlor das Herzogtum Baiern schrittweise seine Unabhängigkeit an das Fränkische Reich Karls des Großen. Die Entstehung der Urkunde im Jahr 776 markiert genau diese Übergangsphase, in der Wels erstmals seit der römischen Epoche (damals „Ovilava“) wieder schriftlich dokumentiert wurde.
Prominente Zeugen der Geschichte
Die Urkunde besitzt auch aufgrund der darin genannten Personen einen unschätzbaren historischen Wert:
- Graf Machelm: Der Aussteller der Urkunde war ein einflussreicher Vertrauter Herzog Tassilos III. mit weitlaufenden Besitztümern bis in den rheinischen Raum.
- Heiliger Virgil: Der berühmte Bischof von Salzburg war bei dem Rechtsakt persönlich in Wels anwesend, um die Schenkung als Zeuge offiziell zu bestätigen.


