Die geplante sozialpädagogische Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in der Linzer Straße 128 ist startklar. Betreiber der Einrichtung wird die Lebensraum Heidlmair GmbH aus Kremsmünster. Der Welser Gemeinderat hat den dafür notwendigen Untermietvertrag einstimmig beschlossen. Während die Stadt den Start der Einrichtung als wichtigen Schritt für die Kinder- und Jugendhilfe begrüßt, bleiben für die SPÖ Fragen zum bisherigen Vorgehen und zum Standort offen.
Die Lebensraum Heidlmair GmbH verfügt nach Angaben der Stadt über mehr als 40 Jahre Erfahrung im sozialpädagogischen Bereich und arbeitet bereits mit der Stadt Wels zusammen. Unter anderem betreibt das Unternehmen das Familienorientierte Betreubare Wohnen (FamBeWo) in der Vogelweiderstraße.
Ursprünglich war vorgesehen, dass die städtische Dienststelle Kinder- und Jugendhilfe (KJH) die im Sommer 2026 fertig adaptierte Wohngruppe selbst betreibt. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Rekrutierung des erforderlichen Fachpersonals entschied sich die Stadt schließlich für eine Untervermietung an den externen Betreiber. Die Räumlichkeiten wurden mittlerweile symbolisch mit Brot und Salz an die Lebensraum Heidlmair GmbH übergeben.

Betreuung im vertrauten Umfeld
Mit der neuen Einrichtung sollen zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Die Stadt verweist dabei auf die Vorteile eines Standorts in Wels: Die KJH habe die Erfahrung gemacht, dass bei räumlich nahe gelegenen Einrichtungen die Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Bezugspersonen engmaschiger möglich sei. Im Idealfall könne dadurch auch an einer Rückkehr in die Familie gearbeitet werden. Gleichzeitig könnten die Kinder weiterhin ihre Schule, Kinderbetreuung, Vereine und andere Einrichtungen in ihrem gewohnten Umfeld besuchen.
Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Christa Raggl-Mühlberger bezeichnet die Wohngruppe als wichtigen Schritt für die Stadt. Die aktuelle Sozialraumanalyse zeige, wie notwendig ein entsprechendes Angebot sei. Mit der Lebensraum Heidlmair GmbH habe man zudem einen erfahrenen Partner gefunden, der Kindern in schwierigen Lebenssituationen ein stabiles Umfeld und eine Perspektive bieten solle.
SPÖ stimmt zu, übt aber Kritik
Auch die SPÖ stimmte dem Untermietvertrag im Gemeinderat zu. Grundsätzlich stehe außer Frage, dass Wels zusätzliche Plätze für Kinder und Jugendliche benötige. Auch gegen einen professionellen externen Betreiber gebe es keine grundsätzlichen Einwände, betont die Partei.
Kritisch sieht die SPÖ allerdings, dass der ursprünglich angekündigte Eigenbetrieb durch die Stadt aufgrund fehlenden Fachpersonals nicht umgesetzt werden kann. Für SPÖ-Gemeinderätin Hannah Stögermüller wirft dies Fragen zur Personalgewinnung der Stadt auf. Entscheidend sei nun, dass die betroffenen Kinder professionell und gut betreut würden.
Auch den Standort in der Linzer Straße hält die SPÖ weiterhin nicht für die ideale Lösung. „Für uns war nie die Wohngruppe an sich das Problem. Wels braucht dieses Angebot“, erklärt Stögermüller.
Fragen zum Mietvertrag
Darüber hinaus kritisiert die SPÖ den ursprünglichen Mietvertrag für das Gebäude. Bereits im November 2025 sei im Gemeinderat thematisiert worden, dass wesentliche Genehmigungen noch ausständig gewesen seien. Nach Darstellung der SPÖ sei damals seitens der zuständigen Vizebürgermeisterin zugesichert worden, dass der Mietvertrag erst nach Vorliegen der entsprechenden Zustimmung des Landes unterzeichnet werden sollte.
Trotzdem sei der Vertrag mit einer Bindung von 15 Jahren bereits im Mai abgeschlossen worden. Nach Angaben der SPÖ seien dadurch bereits rund 45.000 Euro an Mietzahlungen angefallen. Die laufenden Kosten beliefen sich auf knapp 9.000 Euro monatlich und damit auf mehr als 100.000 Euro jährlich.
Warum ein Mietvertrag mit 15-jährigem Kündigungsverzicht abgeschlossen worden sei, obwohl die Betriebsbewilligung noch nicht vorgelegen habe und gleichzeitig das notwendige Personal gefehlt habe, sei aus Sicht der SPÖ weiterhin nicht schlüssig beantwortet.
Dem Untermietvertrag stimmte die SPÖ dennoch zu. Ausschlaggebend dafür sei die finanzielle Verantwortung gegenüber der Stadt gewesen, argumentiert Stögermüller. Der bestehende Mietvertrag binde die Stadt langfristig. Mit der Zustimmung zum Untermietvertrag wolle man weiteren finanziellen Schaden vermeiden.
Damit ist der Weg für den Betrieb der sozialpädagogischen Wohngruppe frei. Während die Stadt vor allem den zusätzlichen Betreuungsplatz und die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Betreiber hervorhebt, will die SPÖ die Fragen rund um Personalgewinnung, Mietvertrag und Standort weiterhin thematisiert wissen.


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