Wels rüstet sich für die kommenden Jahrzehnte: Am Montag, den 27. April, soll der Gemeinderat den neuen „Masterplan Gehen & Rad“ sowie das umfassende Mobilitätskonzept 2040 verabschieden. Ziel ist eine moderne Infrastruktur, die Lebensqualität, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit vereint.
Nach fast 30 Jahren – das letzte Gesamtkonzept stammte aus dem Jahr 1996 – erhält die Stadt Wels eine neue strategische Grundlage für ihre Verkehrsplanung. Die von der Fachfirma Trafility GmbH ausgearbeiteten Konzepte reagieren auf das starke Stadtwachstum und den technologischen Wandel. Das klare Ziel: Die Förderung aktiver Mobilität, ohne die Qualität des motorisierten Individualverkehrs (MIV) aufzugeben.

Das Zentrum: Spannungsfeld zwischen Aufenthaltsqualität und Verkehrsfluss
Die Analyse zeigt, dass der Kfz-Verkehr aktuell wie ein Trenner zwischen den Fußgängerzonen wirkt. Die Bürger wünschen sich in Umfragen mehr Verkehrsberuhigung.
- Die Eisenhowerstraße im Fokus: Geplant ist die Öffnung der derzeitigen Einbahn in beide Fahrtrichtungen. Dies soll die Schubert- und Bahnhofstraße entlasten.
- Diskussion um die Ringstraße: Während das Konzept eine Kapatizätseinschränkung zugunsten von Fußgängern und Radfahrern (Dr.-Salzmann-Straße) vorschlägt, gibt es hierüber noch keinen politischen Konsens. Eine Sperre der Ringstraße würde zwar die Innenstadt beruhigen, könnte aber zu Verlagerungseffekten in Nebenstraßen führen.
Öffentlicher Verkehr: Mit „24-Stunden-Wels“ zur Trendwende
Da 50 % der Bürger den aktuellen ÖV kritisch sehen, setzt das Konzept auf eine massive Attraktivierung:
- Innovation: Einführung von „Mobility Hubs“ für den einfachen Fahrzeugwechsel und ein integrativer Zugang via Mitgliedskarte.
- Infrastruktur: Neue S-Bahn-Haltestellen (ÖBB-Zielnetz), die Einführung einer Tangentiallinie sowie eines Citybusses.
- Beschleunigung: Bevorzugte Ampelschaltung für Busse und eine höhere Haltestellendichte.
Rad & Schule: Sicher ans Ziel
Besonders beim Radverkehr sehen 61 % der Befragten Nachholbedarf.
- Schulwegsicherheit: Entschärfung von Konfliktpunkten und direkter Ausbau des Schulumfelds.
- Infrastruktur-Offensive: Trennung von Rad- und Fußwegen, wo immer möglich, sowie Umsetzung des österreichweiten Radzielnetzes.
Motorisierter Individualverkehr: Effizienz erhalten
Trotz des Fokus auf aktive Mobilität wird der Kfz-Verkehr (Zustimmungswert 84 %) gestärkt:
- Nordtangente: Eine neue Verbindung soll die Ost-West-Achsen im Norden entlasten.
- Knoten Oberfeldstraße: Gemeinsam mit Land und ASFINAG soll die Überlastung an der B 137 beseitigt werden.
Der „Masterplan Gehen & Rad“: 108 konkrete Maßnahmen
Der Masterplan dient als tägliches Werkzeug für die Stadtverwaltung und ist Voraussetzung für Bundesförderungen (klimaaktiv). Er umfasst 41 Maßnahmen für Fußgänger und 67 für Radfahrer:
- Kurzfristig: Neue Haltestelle mit Querungshilfe in der Voralpenstraße; Ausbau des Radwegs in der Gaswerkstraße.
- Mittelfristig: Umgestaltung des Vorplatzes am Lokalbahnhof.
- Langfristig: Barrierefreier Umbau der Westbahn-Unterführung (Wimpassinger Straße) sowie Verbreiterung der Autobahnbrücke Wallerer Straße um einen Geh- und Radweg.
Fazit: Mit dem vorliegenden Konzept schlägt Wels eine Brücke zwischen der gewohnten Kfz-Qualität und einer modernen, flächeneffizienten Mobilität für Fußgänger und Radfahrer.

