Wels wächst – und gleichzeitig plant und entwickelt die Stadt weitere großflächige Wohn- und Gewerbegebiete. Die Grünen Wels sehen diese Entwicklung kritisch. Sie stellen nicht infrage, dass Wels Wohnraum benötigt. Sie fordern jedoch eine nachvollziehbare Grundlage dafür, wie viel Wohnraum tatsächlich gebraucht wird und ob der damit verbundene Flächenverbrauch in diesem Ausmaß gerechtfertigt ist.

„Wir stellen nicht infrage, dass Wels Wohnraum braucht. Aber wir stellen sehr wohl infrage, ob der enorme Flächenverbrauch, der derzeit vorbereitet und umgesetzt wird, tatsächlich durch einen entsprechend belegten Wohnungsbedarf gerechtfertigt ist. Es gibt keine verlässlichen Erhebungen, die diesen massiven Wohnungsbau und den damit verbundenen Flächenverbrauch legitimieren“, sagt Miriam Faber, Fraktionsobfrau und Sprecherin der Grünen Wels.
Statt immer neue Flächen zu erschließen, brauche es aus Sicht der Grünen eine Sanierungsoffensive für bestehenden Wohnraum sowie einen klaren Schwerpunkt auf leistbares Wohnen.
Wachstum braucht eine Gesamtstrategie
Mit den Oberfelderhöfen nähert sich ein großes Wohnbauprojekt seiner Fertigstellung. Gleichzeitig verändern sich im Umfeld der Eisenbahnersiedlung größere Flächen. Hinzu kommt das geplante groß dimensionierte Wohnbauprojekt in der Pernau.
„Es wird ständig mit dem steigenden Wohnungsbedarf argumentiert. Was fehlt, ist eine nachvollziehbare Gesamtbetrachtung. Die Welserinnen und Welser wollen keine radikalen Veränderungen in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft und keine weitere Reduktion wertvoller Grünflächen. Wachstum darf kein Selbstzweck sein. Wir müssen vorhandene Potenziale nutzen, bevor weitere Freiflächen verbaut werden“, so Faber.
Für die Grünen stellt sich damit nicht nur die Frage, ob Wels wächst, sondern vor allem, wie dieses Wachstum gestaltet wird. Nach Ansicht der Grünen braucht es eine vorausschauende Stadtentwicklung, die Wohnraumbedarf, Infrastruktur, Lebensqualität, Grünräume und den sparsamen Umgang mit Boden gemeinsam betrachtet.
„Unser Boden ist nicht unendlich“
Besonders kritisch sehen die Grünen den anhaltenden Bodenverbrauch. In der WWF-Auswertung aus dem Jahr 2025 lag Wels bei der Bodenversiegelung auf Platz vier unter den 15 größten Städten Österreichs. Die Grünen gehen davon aus, dass Wels bei einer neuerlichen Erhebung zumindest wieder in diesem Spitzenfeld liegen würde.
Wie sich Wels räumlich entwickeln kann, ist in wesentlichen Teilen bereits im 2015 beschlossenen Örtlichen Entwicklungskonzept angelegt. Darin sind umfangreiche Flächen für künftige Entwicklungen in den Bereichen Industrie, Gewerbe und Wohnen vorgesehen.
„Das kommende ÖEK wird daran grundsätzlich nichts ändern. Es wird bei der Umsetzung etwas strenger, die grundsätzliche Richtung und die bereits vorgesehenen Flächen bleiben aber bestehen“, kritisiert Faber.
Die Grünen warnen davor, einzelne Bauvorhaben isoliert zu betrachten. Was auf den ersten Blick wie eine einzelne, begrenzte Baufläche erscheine, könne sich über Jahre zu einem erheblichen Verlust an Grün- und Freiflächen summieren.
„Wir können nicht ständig neue Grün- und Freiflächen verbauen und gleichzeitig so tun, als wäre das ohne Folgen. Was heute wie eine einzelne Baufläche erscheint, summiert sich über Jahre zu einem enormen Verlust an Boden“, sagt Faber.
Sie vermisst dabei ein grundlegendes politisches Umdenken: „Nach wie vor gibt es keinen politischen Mitstreiter, der dieser Entwicklung wirklich Einhalt gebieten will. Die einen treiben den Flächenverbrauch weiter voran, die anderen scheinen zu glauben, aus der Misere rund um die enorme Bodenversiegelung beim Lutz-Parkplatz bereits genug gelernt zu haben. Ein echtes Umdenken sehe ich in der politischen Landschaft aber noch lange nicht.“
Faber fordert deshalb eine stärkere Gesamtsicht auf die Stadtentwicklung: „Offenbar fehlt es an Weitblick und an der notwendigen Vogelperspektive, um die einzelnen Projekte als Teil einer Gesamtentwicklung zu betrachten.“
Wohnqualität muss langfristig gedacht werden
Auch bei großen Wohnanlagen müsse die Stadt über den Zeitpunkt der Fertigstellung hinausdenken, betonen die Grünen. Entscheidend seien nicht allein die Anzahl der neu geschaffenen Wohnungen oder die Größe eines Projekts, sondern auch dessen langfristige Qualität.
„Große Wohnanlagen sind nicht automatisch schlechte Wohnanlagen. Aber wenn Instandhaltung, soziale Durchmischung und die Qualität der Freiräume nicht dauerhaft gesichert sind, können aus heutigen Neubauten in einigen Jahrzehnten anonyme und vernachlässigte Siedlungen werden. Wir sollten aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernen, statt dieselben Fehler einfach größer zu wiederholen“, so Faber.
Die Grünen Wels plädieren daher für eine Stadtentwicklung, die vorhandene Flächen und Gebäude stärker nutzt, Sanierung und Nachverdichtung sinnvoll vorantreibt und neue Bodenversiegelung auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt.
„Wels muss nicht aufhören, sich zu entwickeln. Aber Wels muss endlich anfangen, Entwicklung mit Grenzen zu denken. Unser Boden ist nicht unendlich – und was einmal verbaut ist, kommt nicht einfach zurück“, sagt Miriam Faber abschließend.


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