Eigentlich müsste man auch Braunau umbenennen

Die linke Szene hüpft vor Freude, weil nun alle Straßenbezeichnungen entfernt werden müssen, die nach Personen mit NS-Vergangenheit benannt wurden. Allerdings haben die meisten Oberösterreicher bis vor kurzem noch weder mit dem Namen Josef-Reiter oder mit dem Namen Franz Resl etwas anfangen können, diese folglich auch in keinen Zusammenhang mit der NS-Vergangenheit gebracht.
Ich selbst wurde wenige Jahre nach dem Krieg geboren und arbeite schon seit meinem 25. Lebensjahr als Journalist. Als solcher hatte ich einmal zufälligerweise in der Josef-Reiter-Straße in Braunau zu tun gehabt, aber auch nichts über diesen Mann, nach dem die Straße benannt worden war, gewusst. Für mich war der Reiter ein Unbekannter und für viele andere auch.
Meine Wege hatten mich einst auch in die Welser Franz-Resl-Straße geführt, wo ich den Trodat-Firmenchef Walter Just mehrmals in seinem Bürogebäude besuchte, das an dieser Straße liegt. Von Franz Resl jedoch hatte ich schon einmal von meinen Eltern gehört, und dabei erfahren, dass dieser ein Humorist und Volksschriftsteller war, der bereits 1954 das Zeitliche segnete. Was Resl zu Lebzeiten außerhalb seiner künstlerischen Tätigkeit getrieben hatte, war schon in den 1960er-Jahren kaum noch jemanden bekannt.
In den „Salzburger Nahrichten“ las ich am Freitag, dass Resl für die Nazis aber „ein wichtiger Propagandist in Oberdonau“ gewesen sei, und dass auch Josef Reiter einst nicht nur ein Komponist und der Direktor des Salzburger Mozarteums war, sondern darüber hinaus auch „ein glühender Anhänger des Nazi-Regimes“.
Dass die breite Öffentlichkeit – vor allem die darüber überhaupt nicht informiert gewesene zweite und dritte Generation nach 1945 – nun davon erfuhr, geschah auf Grund des neuen Rechtsgutachtens, das der Verfassungsexperten Markus Vasek von der Linzer Keppler Universität vor kurzem präsentierte und das dann in den Medien breitgetreten wurde. Darin hieß es, dass sich nach Vaseks Kenntnis Österreich bereits per Staatsvertrag verpflichtet hätte, alle Spuren des Nazismus aus dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu entfernen.
Also bitte, soll so sein: Wenn die Umbenennung der Straßen zur Stärkung und zum Erhalt unserer Demokratie beitragen – nur zu! Die Betroffenen – also alle Menschen, die an diesen und auch noch anderen „belasteten Straßen“ wohnen wie auch die dort etablierten Firmen – werden (einschließlich Post und Gemeindeverwaltung) mit der Neubenennungsprozedur keine Freude haben, wie schon jetzt zu hören ist.
Doch es wäre nicht nur fatal, sondern – dem neuen Rechtsgutachten zufolge – auch ganz und gar unmöglich, mit eindeutig belasteten Namen die Erinnerung an die Hitler-Zeit weiter hochzuhalten, wetteret ein bekannter Linker.
Aber dieser Logik und Überzeugung zufolge müsste streng genommen auch die Stadt Braunau umbenannt werden, da man bei diesem Namen sofort an Hitlers Geburtsort und noch mehr als bei Reiter und Resl an das Dritte Reich und an Nazis denkt.
Die Stadt Nürnberg geht Österreich zwar nichts an, aber eigentlich wäre auch diese umzutaufen, da man bei der Nennung ihres namens nicht nur „Nürnberger Prozesse assoiziert, sondern auch Reichsparteitage und „Nürnberger Gesetze“.

